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Aufsatz

Rätsel und Fragen in und um "Justiz" - Ein Aufsatz über Dürrenmatts "Justiz"

Macht halt nur Sinn wenn man das Buch kennt, und wohl auch noch frisch im Kopf hat, aber ich bitte trotzdem um Kritik, vorallem bezüglich dem Spiel mit dem gleichen Anfang und Ende. Ich hab ihn soeben fertiggeschrieben, hab keine Kraft, ihn nochmal durchzulesen, könnte also Flüchtigkeitsfehler enthalten. So, gute Nacht.

„Ich werde mich erschiessen müssen, weil ich ihn erschossen haben werde“ – Vom Billardspielen und „den verbundenen Augen der Justiz“

Felix Spät: Kohlers Werkzeug, „Retter der Gerechtigkeit“, Idealist, „verdammt schief gewickelt“, ein Mensch, der nichts von Billard versteht – Stichworte, die diesen komplexen Charakter und seine Geschichte ziemlich treffend beschreiben. Doch welche Rolle spielt Spät genau im „Spiel“? Und weshalb „muss“ er Suizid begehen?
Wenn man zurückblickt, dann scheint schon die erste Begegnung Kohlers und Späts, bei der Kohler feststellt, dass Spät nichts vom Billardspiel versteht, schicksalsbesiegelnd gewesen zu sein. Als dieser jedoch den Auftrag des Kantonsrats annimmt, wird Spät endgültig zum Queue des Kohler. Er soll seinen Fall neu untersuchen unter der Annahme dass der Kantonsrat nicht der Mörder gewesen sei. Erst durch eine „Vision“ glaubt er das Spiel zu verstehen, trotz aller Unkenntnis betreffend Billard. „Kohler hatte nicht gemordet, weil er ein Spieler war. Er war kein Hasardeur. Ihn lockte nicht der Einsatz. Ihn lockte das Spiel selbst, das Rollen der Bälle, die Berechnung und die Ausführung, die Möglichkeit der Partie.“ (Zitat S. 77)Was erst wie eine Fiktion scheint, entwickelt sich rasant in eine von Spät unerwünschte Richtung. Dass Kohlers Motive auch sehr konkret und nicht nur abstrakt sind, wie Spät dies zu diesem Zeitpunkt angenommen hat, das erfährt er erst später. Durch die Ermittlungen, die er ausgeführt hat, glaubt plötzlich keiner mehr an Kohler als Mörder. Das Blatt wendet sich, und Benno, der ein Motiv hat und noch dazu schweizerischer Meister im Pistolenschiessen gewesen ist, gilt plötzlich als der Mörder. Die Zeugen beginnen sich zu widersprechen, keiner will mehr gesehen haben, dass Kohler geschossen hat, dafür erinnern sich nun alle an das merkwürdige Verhalten Bennos. Es läuft darauf hinaus, dass Kohler genau das getan hat, was er bei der ersten Begegnung mit Spät schon erwähnt hat: „A la bande. So muss man Benno schlagen.“ Als es schliesslich zum Revisionsprozess kommen soll, nun unter der Leitung Süssi-Leupins, Spät hat sich inzwischen empört aus der Sache herausgeschält, erhängt sich Benno aus Verzweiflung, weil er genau weiss, dass er gerichtet werden würde, und liefert somit scheinbar den endgültigen Beweis, dass er der Mörder sei. Kohler wird freigelassen.
Spät war also nichts weiter als das Werkzeug Kohlers, das Queue, mit dem Kohler den entscheidenden Stoss getätigt hat, à la bande gespielt und so Benno erledigt, und sich nebenbei noch fein aus der Sache herausgezogen hat.
Enttäuscht von der Justiz, einer „unvollkommenen Institution (...), die dazu diene, im Diesseits für ein gewisses Einhalten menschlicher Spielregeln zu sorgen“, beschliesst Spät als „Retter der Gerechtigkeit“ tätig zu werden.
Der Kommandant fasst Späts Haltung in einem seiner Monologe gut zusammen: „Wenn er mich nun betrachte und überlege, wohin mich mein Aufbegehren gegen einen juristisch gesehen aussergewöhnlichen, aber einwandfreien und damit berechtigten Freispruch gebracht habe – auch wenn damit die Gerechtigkeit schachmatt gesetzt worden sei -, so bliebe mir nichts anderen übrig, wolle ich in dieser Angelegenheit noch Gerechtigkeit üben, als Kohler und mich selber zum Tode zu beurteilen und an beiden das Todesurteil zu vollziehen“ (Zitat S.185)
Ganz nach dem Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ glaubt Spät, die Gerechtigkeit wiederherzustellen, indem er Kohler umbringt. Konsequenterweise muss er sich dann aber auch umbringen, schliesslich ist ein Mord, auch wenn er gerecht sein sollte, ein Verbrechen, das bestraft werden muss. (Nur leise flüsternd will hier erwähnt werden, dass Spät in seiner inzwischen nur noch miesen Lebenssituation nicht viel zu verlieren hat und es sich somit leisten kann, so idealistisch zu sein.)
Nur leider hat in diesem unglaublichen Idealismus der Aspekt, dass es nie gerecht ist, einen Menschen zu töten, weil Mord durch nichts gerechtfertigt oder entschuldigt werden kann, und dass man es ja eigentlich immer besser machen sollte als der, dem man’s „zeigen will“, keinen Platz.
Auch ist sein Freitod, wenn er auch „nicht ein strenger Beweis meiner Glaubwürdigkeit“ zu sein vermag, trotzdem ein klares Indiz dafür, dass Spät wirklich von Kohlers Schuld überzeugt ist. Schliesslich gibt er sogar sein Leben dafür.
„Nur so ist mein Vorgehen zu verantworten, wenn auch nicht juristisch, so doch menschlich. Im Besitze der Wahrheit, kann ich sie nicht beweisen. Für den entscheidenden Augenblick fehlen mir die Zeugen. Durch meinen Freitod wird es leichterfallen, mir auch ohne Zeugen zu glauben. (...) ich sterbe, weil ich meinen Fall zu Ende denke.“ (Zitat S. 10)
Felix Spät: Kohlers Werkzeug, „Retter der Gerechtigkeit“, Idealist, „verdammt schief gewickelt“, ein Mensch, der nichts von Billard versteht. Genau diese Rolle spielt Spät im „Spiel“, genau deshalb „muss“ er Suizid begehen.
7.5.07 23:43
 


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